Der Schmitt-Brief vom 17.4.2020/Beispielbrief

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Saugrüssel-Blatt reinigt Wasser von Öl ohne Chemie.

Gelangt Öl in Gewässer, kann es dort erhebliche Schäden anrichten.

Gelegenheiten gibt es viele: Motoröl von Autos oder Schiffen, Heizöl oder Leckagen. Gängige Verfahren, ölverschmutztes Wasser zu reinigen, nutzen meist Chemikalien. Nun haben Forscher der Universitäten Bonn und Aachen einen ganz anderen Weg gefunden:

Textilien mit speziellen Oberflächeneigenschaften schöpfen das Öl passiv ab. Sie transportieren es in einen schwimmenden Behälter. Als Vorbild dienten den Wissenschaftlern dabei Oberflächen aus dem Pflanzenreich.

Der Star dabei: Ein grünes Blättchen, das vom Schwimmfarn Salvinia stammt. Die Fähigkeiten dieser Blätter sind hochinteressant. Denn sie sind extrem wasserscheu. Untergetaucht hüllen sie sich in einen Luftmantel und bleiben so vollkommen trocken. Dieses Verhalten wird superhydrophob genannt.

Die Salvinia-Oberfläche liebt aber Öl! Das ist gewissermaßen die Kehrseite der Superhydrophobie. Die Blättchen können daher auf ihrer Oberfläche einen Ölfilm transportieren. Diese Eigenschaft konnten die Forscher nun auch auf technisch herstellbare Oberflächen, z. B. auf Textilien, übertragen.

Derartige superhydrophobe Stoffe lassen sich u. a. dann einsetzen, um Ölfilme effizient und ohne Einsatz von Chemie von Wasseroberflächen zu entfernen. Anders als andere Materialien, die bislang zu diesem Zweck genutzt wurden, nehmen sie das Öl aber nicht in sich auf.

Stattdessen wandert es auf der Oberfläche des Textils entlang. Kommt ein Behälter ins Spiel, dessen Boden unterhalb der Wasseroberfläche liegt, liefert die Schwerkraft den Antrieb und transportiert das Öl in den Behälter.

Damit werden superhydrophobe Textilien auch für die Umwelttechnik interessant: Man könnte damit der zunehmenden Ölverschmutzung auf Gewässern Herr werden. Denn auf dem Wasser schwimmende Ölfilme verhindern einerseits den Gasaustausch durch die Oberfläche und andererseits sind sie für viele Pflanzen und Tiere bei Kontakt gefährlich. Da sich Ölfilme zudem schnell über große Oberflächen ausbreiten, können sie ganze Ökosysteme gefährden.


Das neue Verfahren kommt ohne den Einsatz von Chemikalien aus. Von herkömmlichen Bindemitteln wird das Öl zudem einfach aufgesaugt und kann dann später meist nur noch verbrannt werden. Anders bei der neuen Methode: Das in den Behälter abgeschöpfte Öl ist so sauber, dass es sich wiederverwenden lässt.


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Eine positive Einstellung zu lösbaren Problemen ist bereits der halbe Erfolg.
(Ernst Ferstl)

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