Der Schmitt-Brief vom 17.4.2020/Beispielbrief

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Was kostet die Pandemie und was resultiert daraus?

Der Ausstieg aus einigen Beschränkungen ergibt eine neue Rechnung, die zu brauchbaren Schätzungen führt.

Die EU-Kommissarin von der Leyen und ihr Vize Dombrovskis plädieren für einen Wiederaufbaufonds im Umfang von 1,5 Bill. € für die EU. Die Summe aller deutschen Finanzhilfen (Bund und Länder etc.) bewegt sich in der Größenordnung von ca. 1,2 Bill. €. Versuchen wir, eine Rechnung aufzumachen:

Die Einschätzung der Sachverständigen für die Wirtschaftserholung wird inzwischen auf die Welt übertragen. Es ergibt sich das fast identische Bild (s. Grafik). Es verdeutlicht das berühmte V-Modell für die wirtschaftliche Erholung.

Ein Marshall-Plan in der genannten Größenordnung lässt sich gut damit vergleichen, was er ab 1947 für Europa brachte. Gemessen an Deutschland: Die hiesigen Finanzhilfen ergeben gegenüber den damaligen Zahlen einen Faktor von 1,2 bis 1,4 im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung der 2 West-Zonen (USA und Großbritannien, ohne französische Besatzungszone). Darin lag der Anfang des Wirtschaftswunders. Aber:

Das jetzt geplante Finanzprogramm erzeugt für die deutsche Wirtschaft (inkl. neue Bundesländer) eine Wirkung, die fast das Doppelte des früheren Marshall-Plans ergibt. Das ist eindeutig überzogen! Denn:

Gelingt die geplante Lockerung vorzeitig, so rechnet ifo mit einer rückläufigen Wirtschaft von 1,5 % pro Monat. Daraus ergäben sich für 2 Monate 3 % - und das wär‘s dann. Doch mit einer gigantischen Finanzspritze eine einstweilige Konjunkturschwäche auffangen zu wollen, führt zu unkalkulierbaren Risiken von Fehlinvestitionen. Die Konsequenz liegt auf der Hand:

Eine sofortige und angemessene Überprüfung sämtlicher politischer Absichten ist noch in diesem Quartal notwendig! Andernfalls läuft Deutschland Gefahr, finanzpolitische Fehlströme zu erzeugen, die eine unberechenbare Dynamik für die Teuerungsrate entfalten. Denn in diesem Fall käme die alte Regel der Ökonomen zum Tragen: Die Geldmenge wäre ungleich größer als die erzeugte Warenmenge in der gleichen Zeit. Darin liegt stets der erste Ansatz einer beschleunigten Inflation. Wir mahnen dies frühzeitig an!

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