Der Schmitt-Brief vom 25.1.2017/Beispielbrief

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Natürlich drückte Trumps Antrittsrede den DAX ins Minus!

Genau wie wir vermutet hatten, gab der neue US-Präsident letzten Freitag nicht mehr preis als im Wahlkampf.

An diesen Stil muss sich Europa, müssen sich aber auch die Märkte gewöhnen:

Trump ist immer noch Unternehmer. Soll heißen: Er hält sein Pulver so lange trocken, bis Verhandlungen beginnen. Im Umkehrschluss: Niemand - ob Politiker oder Unternehmer - sollte im Vorfeld Energie darauf verschwenden, herauszubekommen, was der Milliardär will, sondern die eigenen Ziele klar definieren und in eventuellen Gesprächen dann daran festhalten. Das bedeutet aber auch:

Lernen, zwischen der Person Trump und seinen Zielen/seiner Sache zu unterscheiden! Für Mexiko kommen diese Überlegungen freilich zu spät: Als Erstes nimmt sich der neue Präsident das Freihandelsabkommen NAFTA vor - und kündigt es. Das geht relativ leicht: Es gibt eine 6-monatige Kündigungsfrist im Abkommen; Trump kann dies zudem ohne den US-Kongress tun.

Interessanter wird die Entwicklung um die Transpazifische Partnerschaft TPP, in der sich 12 Nationen - u.a. die USA - zusammengeschlossen hatten. Damit sollte China im Zaum gehalten werden. Jetzt hat Trump dieses Abkommen per Dekret ebenfalls beerdigt, jedenfalls soweit es die USA betrifft.

Die anderen wollen jetzt ohne die Vereinigten Staaten weitermachen, evt. sogar mit China. Interessant ist dies nicht nur, weil das Riesenreich nun plötzlich für TPP salonfähig geworden ist, sondern weil es auch mit 1,2 Bill. Dollar zweitgrößter Schuldner der USA ist. Hinzu kommt: Das Defizit der USA im Handel mit China lag 2015 bei rd. 367 Mrd. Dollar - etwa 50 % ihres weltweiten Handelsdefizits.

Was fällt Peking wohl ein, wenn Trump tatsächlich - wie angedroht - 45 % Strafzoll auf chinesische Importe einführt?
Und: Wie reagieren die Wähler, wenn vor allem Konsumwaren plötzlich viel teurer werden? Die Fed müsste auf die Teuerung reagieren und die Zinsen schneller anheben als erwünscht.

Dessen ungeachtet zeigt gerade TPP: Wenn nicht mit den USA, dann künftig eben ohne sie! Eine durchaus verständliche und logische Haltung. Die EU muss das nach dem Entscheid für den Brexit ja auch tun. Dabei ist es keineswegs ausgemacht, dass diese Bemühungen von vornherein zum Scheitern verurteilt sind!

Genau wie der Trend zur Rückbesinnung auf den eigenen Produktionsstandort, den der US-Präsident soeben mit seinen ersten Handlungen startete. Der deutsche Leitindex wurde am Montag etwas ins Minus gedrückt, gestern schon wieder leicht im Plus. Neben den Zöllen wirkte sich hier auch der Dollar-Kurs aus, der sich gegenüber dem Euro leicht abschwächte. Aber:

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